Qualifizierungsoffensive der Branche und Elastizität der Nachfrage am Arbeitsmarkt
Aktive Branchenpolitik im Zeichen der Globalisierung beginnt und endet für den DFUV mit der Qualifizierung der Unternehmen und der Mitarbeiter. Jede Maßnahme, die der DFUV durchführt, steht im Zeichen der Qualifizierung. So auch der Mindestlohn. Das Angebot an Arbeitskräften und Unternehmen für unseren Markt ist unbegrenzt. Das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften und Unternehmen ist sehr überschaubar. Der Verband kann seinen Mitgliedern nur raten, in die überschaubare Gruppe der qualifizierten Unternehmen aufzurücken und sich für die Zukunft fit zu machen. Sonst sind Unternehmen und Mitarbeiter unbegrenzt substituierbar.
Die Elastizität der Nachfrage am Arbeitsmarkt für Forstdienstleistungen ist eine vierzeilige Matrixfunktion.
- Sie wird primär bestimmt vom komparativen Vorteil des Holzrohstoffstandortes „Deutschland“ am Weltmarkt. Und der liegt unter den ersten zehn Rangplätzen.
- Die zweite Zeile stellen die Holzerntekosten dar. Diese bestimmen unsere Mitglieder als Spezialisten für Holzernte, Holzbringung, Holztransport und Sortimentsbildung.
- Die dritte Zeile ist saisonal bestimmt durch Stürme wie „Kyrill“ oder Holzmarkteinbrüche wie derzeit am amerikanischen Bauholzmarkt oder andere Konjunkturzyklen und Währungsparitäten.
- Die vierte Zeile bestimmt die Substituierbarkeit unserer Unternehmen durch eigenes Personal der Waldbesitzer oder andere Branchen.
Volkswirtschaftlich betrachtet tut der DFUV in seinem Verantwortungsbereich das einzig richtige:
Steigern der Produktivität durch Qualifizierung und technischen Fortschritt. Als nicht monetärer Faktor kommen die ökologischen und gesellschaftlichen Erwartungen im Umgang mit dem Naturraum Wald hinzu. Neben der Produktivitätssteigerung besteht ein erhebliches öffentliches und politisches Interesse darin, ökologisch verantwortungsvoll handelnde Unternehmen und Mitarbeiter im Wald anzutreffen.
Auch hier greift unsere Qualifizierungsoffensive.
Der Mindestlohn stützt diese Qualifizierungsoffensive und sendet das Signal aus: „Eure Qualifikation macht sich bezahlt !“ Kommt dieses Signal nicht bald, wird unsere Branche statt Qualifikation dasselbe Schicksal erleiden wie die Estrich- und Verputzerbranche: Mafia-Strukturen, ein ungeregelter Markt und nicht durchschaubare Unternehmens- und Beschäftigungsverhältnisse.
Was der DFUV für die Qualifizierung tut, steht auf unserer Internetseite (siehe: Qualifizierungsfonds Forstwirtschaft QfF).
Die Höhe des Mindestlohnes konferiert mit dem Tariflohn der privaten Waldbesitzer und der öffentlichen Forsten. Sie soll Kleinunternehmer ermutigen, Arbeitskräfte und insbesondere Fachkräfte einzustellen und ist daher nicht überzogen. Der Lohn soll Fachkräfte bewegen, in ihrem Beruf zu bleiben und bietet qualifizierungsorientierte Tarifgruppen gemäß unserer Lohntarife eine reelle Chance.
Im Unterschied zum Spargel- oder Obstbau fordert die Forstwirtschaft bei der Arbeit in der Holzernte Handlungs- und Problemlösungskompetenz in oftmals gelösten Arbeitsverfahren. Erfahrung und Umgang mit wechselnden komplexen Situationen sind eine persönliche Herausforderung für jeden Forstarbeiter vergleichbar mit Industriemonteuren. Eher vergleichbar mit Spargel- und Obstbau sind einfache Arbeiten wie Pflege- und Pflanzarbeiten. Hier aber braucht der Forstwirtberuf ganzjährige Beschäftigung, da die Holzernte naturschutzrechtlichen, witterungsbedingten und ergonomisch bedingten Unterbrechungen unterliegt.
Das ist der Grund, warum der DFUV im persönlichen und sachlichen Geltungsbereich des Mindestlohn-Tarifvertrages alle Forstdienstleistungen und nicht nur die Holzernte einbezogen hat. Die Gefahr der Substituierbarkeit ist bei Pflanzung und Pflege unter Mindestlohn besonders hoch. Hier müssen unsere Betriebe ihre Kompetenz und den Dienstleistungsservice erheblich steigern, um unter Mindestlohnbedingungen im Rennen zu bleiben.
Der Forderung der Waldbesitzer-Verbände nach billigen Arbeitskräften in unserer Branche müssen wir damit entgegentreten. Schließlich bestimmen Immobilienbesitzer und Bauträger auch nicht die Löhne der bauausführenden Branchen das tun diese Branchen selbst. Ganz im Gegenteil je qualifizierter und hochwertiger die Arbeitsplätze der ausführenden Dienstleister sind, umso pünktlicher, wertvoller und qualitätsvoller ist die erstellte Leistung.