Wietze, Mai 2010
Verbändegespräch in Regensburg
(hjn) Auf Anregung des Vorstandsvorsitzenden der BaySF, Dr. Rudolf Freidhager und auf Vermittlung des Vorsitzenden des Deutschen Forstunternehmer Verbandes e.V. Hans-Jürgen Narjes, trafen sich am 5. Mai 2010 in der Zentrale in Regensburg die bayerischen Verbandsvertreter zu einem informellen Gespräch.
Ein gut vorbereiteter und abgestimmter Themenkatalog gab den roten Faden des Gespräches vor, an dem der Vorsitzende des Berufsverbandes der Forstunternehmer in Bayern e.V., Josef Kummerer, der Fachreferent der Fachgruppe Forstunternehmen Bayern im VdAW e.V., Daniel Haupt sowie seitens der Forsttechnik Ralf Dreeke, Forsttechnik Wahlers Uffenheim, teilnahmen. Zu Beginn stellte Dr. Freidhager seine Mitarbeiter aus der Verwaltung vor: Norbert Remler, Bereichsleiter Holz BaySF, Heinz Läufer, Leiter Zentraler Einkauf BaySF, Bernhard Hölldorfer, Forsttechnik BaySF und als alten Bekannten der bayerischen Unternehmer den neuen Leiter der Forsttechnik in Bodenwöhr, Bruno Starke. In dieser hochkarätigen Runde wurden konstruktiv und offen die einzelnen Tagesordnungspunkte abgehandelt.
In seiner Eingangsbegrüßung äußerste Dr. Freidhager seine Hoffnung, dass die anstehenden Fragen künftig doch auf Basis eines Dialoges direkt geklärt werden sollten und nicht über die Fachpresse versucht wird Stimmung zu machen, die letztendlich niemanden nützen, jedoch die gesamte Forstwirtschaft im Lande in der Öffentlichkeit und in der Politik in Misskredit bringt. Als schlechtes Beispiel wurde das Thema Bodenschäden bei der Holzrückung genannt.
Um von neutraler Seite die derzeitige Situation der Forstunternehmer zu beschreiben, war Ralf Dreeke von Unternehmerseite gebeten worden, von quasi neutraler Seite dazu Stellung zu nehmen. Anhand von einigen Folien wurde die teilweise existenzbedrohende Lage und die wirtschaftlichen Probleme der Branche aus Sicht der Betriebe des Forsttechnik-Fachhandels, der Servicebetriebe und der Kreditgeber prägnant beschrieben. Vor diesem sehr ernsten Hintergrund war der Einstieg in eine ergebnisoffenen Diskussion vorgegeben.
- Abstimmung der Grundlagen und der Struktur der Zusammenarbeit, Art und Weise der Kommunikation,
- Erläuterung der Standpunkte und der Sichtweisen zu den jeweiligen Themen mit dem Ziel, Differenzen klar zu beschreiben, und die Prioritäten festzulegen.
- Abstimmung der allgemeinen weiteren Vorgehensweise.
Als Voraussetzung einer Zusammenarbeit hatten sich beide bayerischen Forstunternehmerverbände verständigt, künftig gemeinsam den BaySF als Branchenvertreter gegenüber aufzutreten. Damit war im Vorfeld schon ein wichtiger Schritt vollzogen, denn nichts ist negativer, wie zwei konkurrierende Verbände. Somit ist die Kompetenzverteilung geklärt und als gleichberechtigte Gesprächpartner stehen Josef Kummerer und Daniel Haupt als erste Ansprechpartner für die BaySF fest. Für spezielle Themen können darüber hinaus bei Bedarf individuelle Teams berufen werden. Man verständigte sich neben einem kurzen Draht für aktuelle Fragen, auf regelmäßige, zwei mal jährlich stattfindende Treffen. Die BaySF sind für einen konstruktiven Dialog mit den Verbänden offen.
Das Thema Auftragsvergabe / Auftragserteilung und der damit verbundene Bereich der öffentlichen Ausschreibung wurde sehr offen und kontrovers diskutiert, zumal der Leiter Zentraler Einkauf der BaySF hier knallharte marktorientierte Ansichten vertrat, die sowohl für das Zusammenarbeiten mit den Forstunternehmern wie auch mit dem Selbstverständnis des ländlich verwurzelten und orientierten Unternehmers gewöhnungsbedürftig ist. Die geäußerte Argumentation, auch den Bereich der Dienstleistung mit den Mechanismen des Holzmarktes zu vergleichen, fand bei den Verbandsvertretern wenig Verständnis, da hier traditionell andere Prioritäten als Basis dienen: Die Arbeit in und mit der Natur, dazu noch mit schwerem Gerät, kann (und darf nicht) marktwirtschaftlichen Zwängen und knallharten Vorgaben untergeordnet werden. Hier müssen auch künftig politische Lösungen gefunden werden, um zu einen Konsens zu kommen. Der Wille zum Dialog scheint dem Vernehmen nach auf beiden Seiten vorhanden zu sein.
Im Zusammenhang mit der Ausschreibungspraxis in Bayern wurde natürlich das Thema Dumpingpreise um die 10, €/Fm für die mechanisierte Holzernte incl. Rückung angesprochen. Hier vertrat Dr. Freidhager klar die Auffassung, dass das für die BaySF von Vorteil, aber ansonsten ausschließlich Sache der Unternehmer sei und bei offensichtlichem Bedarf wäre es Aufgabe der Verbände, hier entsprechende Schulungen und Seminare anzubieten. Nach Meinung der Verbandsvertreter muss die Angelegenheit jedoch sehr differenziert betrachtet werden, wenngleich auf Seiten der Forstunternehmer hier ohne Frage, Nachholbedarf besteht. Außerdem sind einige Punkte zu bedenken, die durchaus zur Erklärung beitragen:
- Aus dem vermeintlichem, nicht souverän Umgang mit dem Ausschreibungsverfahren, incl. vieler sachlicher Unzulänglichkeiten, sind elementare Fehler gemacht worden.
- Man hat Subunternehmer zu schlechten Konditionen eingebunden,
- ein Teil dieser Unternehmer sind mit ursprünglich subventionierten Maschinen eingestiegen, die eine etwas kuriose Kalkulation als Basis ihrer Angebote hatten bzw. teilweise immer noch haben.
- Subunternehmer und billige Arbeitskräfte z. B. aus Tschechien sind mit eingesetzt worden.
Man war sich einig, dass dieser Entwicklung durch verschiedene Instrumente der Auftragsvergabe rechtlicher, qualitativer und formeller Art, Einhalt zu bieten sei.
Uneingeschränkte Beurteilung gab es zum Thema Holzrückung nach motormanuellem Einschlag durch regieeigene Waldarbeiter. Im Gegensatz zur Rückung nach der hochmechanisierten Holzernte muss die Rückung aufgrund des Aufwandes und der geringeren Leistung der Rückepreis mindestens 40 % höher sein.
Eine Bewertung der Arbeitsleistung, deren Qualität und die Zuverlässigkeit der Unternehmer durch das Forstfachpersonal der BaySF, stellt sich nach Auffassung der Verbände als sehr problematisch dar, zumal künftig ausschließlich zertifizierte Unternehmer mit Forstbetriebsarbeiten beauftragt werden. Die Bewertungspraxis wird, so die Aussage, überarbeitet und gemeinsam mit den Auditoren der Zertifizierungsgesellschaften abgestimmt. Außerdem ist zugesagt, dass alle PEFC-Standards selbstverständlich umgesetzt werden, u. a. die Verwendung von schriftlichen, detalierten Arbeitsaufträgen.
Die Problematik des Bodenschutzes ist nach Auffassung aller Beteiligten sehr ernst zu nehmen. Auch wurde seitens der BaySF um Verständnis gebeten, dass man auf die Berichterstattung in der Presse und auf die Diskussion in der Öffentlichkeit reagieren müsste. Man ist ernsthaft gewillt alle Möglichkeiten zur Reduzierung von Bodenschäden, die sich aus organisatorischen Möglichkeiten ergeben, zu nutzen, Dazu gehörten auch die, auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelten Achsdrücke. Allerdings sei man gewillt diese Werte (Achsdruck 4 t / 5 t) als ausschließliche Richtgrößen zu sehen und einen Zusammenhang mit Krangröße (Reichweite) zu akzeptieren. Physikalische Gesetze sind nun mal zu akzeptieren ! Bei dieser Frage, wie auch bei der vorgegebenen „Schonfrist“ bis 2013 für größere Maschinen, kann ein Verständnis und ein Aufeinander zugehen durchaus als Ergebnis festgestellt werden. Alle Daten werden als Richtwerte betrachtet und sollen nicht starr, sondern entsprechend den bayerischen Praxisverhältnissen umgesetzt werden. In dieser Frage hat gerade Herr Starke als Praktiker volles Verständnis für die Sorgen der Vertreter der Forsttechnik und der Forstunternehmer, da hier auch Investitionsentscheidungen von nicht geringer Größe dran hängen.
Bei dem Thema Aus- und Fortbildung war man sich einig, dass das ein wichtiges und notwendiges Aufgabengebiet der Branche und damit der Verbände ist. Die BaySF ist u. U. bereit die Bemühungen ideell zu unterstützen. Ansonsten sei hier die Branche selber in der Verantwortung. Hierin gab es Konsens, vor allem auch mit dem DFUV, der das als wichtige Verbands- und Zukunftsaufgabe sieht.
Nach einem über zweistündigen Austausch von Argumenten, konnte weitgehend gegenseitiges Verständnis festgestellt werden. Oft lagen die jeweiligen Auffassungen nicht weit auseinander, so dass bei einer gewissen Kompromissbereitschaft Lösungen gefunden werden können.
Abschließend bat Herr Dr. Freidhager darum im Sinne der Gemeinsamkeiten von Forst und Holz für eine positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu werben und sich gemeinsam dafür einzusetzen, dass Holznutzung- und Holzbereitstellung nicht zu Gegensätzen zum Natur- und Bodenschutz missbraucht werden sollten.
DFUV, VdAW, FUV Bayern, Wahlers-Forsttechnik
Aus Sicht der Bayerischen Staatsforsten trägt ein gemeinsamer Dialog sicherlich dazu bei, die vielschichtigen Themen in der Zusammenarbeit mit den forstlichen Dienstleistern in eine faire Partnerschaft zu führen. Die Gesprächsatmosphäre war sehr konstruktiv und in die Zukunft gewandt.
Ein regelmäßiger Kontakt zum bayerischen Forstunternehmerverband ist für die Bayerischen Staatsforsten unerlässlich, da letztlich über 20 Prozent der heimischen Forstunternehmer dort organisiert sind. Ein Austausch von anstehenden Herausforderungen ab von konkreten Vertrags- und Preisdetails führt mittelfristig zu mehr Verständnis und Zufriedenheit auf beiden Seiten.
BaySF